Die Ecuatorianer bzw. die Cotacacheños
Die Leute halten sich sehr viel in der Öffentlichkeit auf. Im Park vor meiner Arbeitsstelle sitzen oder laufen eigentlich immer Erwachsene und Kinder. Zu Festen trifft sich dann die ganze Stadt. Ein bisschen wie in Deutschland nur sehr viel kozentrierter, da sich oftmals alles an einem bestimmten Platz abspielt und keine grössere Fläche wie ein Park oder die gesamte Stadt genutzt wird, wo mal hier und mal dort etwas los ist. Die Menschen sind alle super freundlich und sehen, wenn einen etwas bedrückt und fragen immer „schmeckt`s?“ oder „wie geht`s?“.
Cotacachi
… ist eine sehr kulturell behaftete Stadt mit musikalischen und künstlerischen Talenten. Es dreht sich sehr viel um die Kultur der Indígena. So werden Teile von Festen auf Quichua gehalten und vor kurzem wurde die „Miss Indígena“ der Region gewählt. Es gibt vier öffentliche Parks und sehr viele Plätze, um Fussball oder Volleyball zu spielen. Vor meiner Zeit gab es zwei Diskotheken ohne Sicherheitsausgänge. Der zuständige Beamte hat den Betreibern ein halbes Jahr Zeit gegeben diesen Mangel zu beheben. Nichts passierte ausser der Schliessung. Zudem wird die Stadt dadurch dem Titel „Ciudad de la Paz“ noch gerechter. Schade nur für die ganzen Jugendlichen, die mit dem Bus nach Otavalo fahren müssen, um sich zu amüsieren.
Einkaufsmöglichkeiten – posibilidades de comprar
In meiner Stadt gibt es mindestens 30 Läden, aber keinen einzigen grösseren Supermarkt. In den meisten kann man seine Handykarte aufladen. Es gibt nur zwei Handynetze. Ich habe Porta, aber Movistar ist bis jetzt noch weiter verbreitet und auch günstiger. Der grösste Teil sind Lebensmittelläden und auch zahlreiche Lederwarengeschäfte. Die Region ist berühmt für Handtaschen, Geldbörsen, Schuhe und Jacken aus Leder. Ein Bekannter aus Cotacachi, der vor kurzem seinen Arbeitsplatz verloren hat, sagte mir, dass er einen Laden aufmachen werde, falls es mit einem anderen angestrebten Beruf nichts wird. Das sagt doch schon alles.
Natur und Geographie
Dieser Abschnitt ist an alle Naturfreunde, Lehrer der zuständigen Fächer und sonstige Interessierte gerichtet. Die Natur ist das beeindruckendste Merkmal des Landes und vor allem der Region.
Die “Laguna Cuicocha”
… habe ich gleich am ersten Tag besichtigt. In der Mitte des auf 3000 m gelegenen Sees befinden sich zwei grosse Inseln. Der See befindet sich im Inneren eines Vulkankegels. Auf dem Kranz kann man in fünf Stunden einmal den See umrunden und ihn von allen Seiten in all seiner Schönheit geniessen. Oder man setzt sich mit 15 anderen in ein Boot, fährt zu den Inseln und lässt sich etwas sehr Interessantes über die Entstehung, die wichtigsten Daten und Eigenschaften der ganzen Lagune und des Vulkans erzählen. Ich habe leider kaum etwas verstanden. Danach umkreist man die Inseln nahe des Ufers und kann die Vegetation aus nächster Nähe betrachten oder fotografieren. Gegen Abend wird es schnell kalt, da nicht nur die untergegangene Sonne, sondern auch Wind und Wasserspritzer ihren Teil dazu beitragen. Nach der Fahrt bekommt man so viele heisse Getränke mit Zucker serviert, wie man will. Superlecker und man kann nicht genug davon bekommen. Ein paar Meter oberhalb der Lagune gelegen befindet sich ein Restaurant, von wo aus man eine noch bessere Sicht auf die Schönheit der Natur erhält.
La “Casacada de Peguche”
… ist, wie der Name schon sagt, ein Wasserfall in der Nähe von Peguche. Zuerst geht man durch einen kleinen Wald mit riesigen Bäumen. Auf der rechten Seite befindet sich eine kleine Schlucht, durch die sich ein kleiner Bach an grossen Felsbrocken vorbeischlängelt. Vor dem Wasserfall befindet sich eine Brücke, von der man einen wunderschönen Blick auf das Schauspiel hat. Am Fusse gibt es einen kleinen durch die Kraft des Wassers entstandenen Teich, in dem sich besonders harte Jungs baden und sogar unter die herabstürzenden Wassermassen stellen. Es gibt zahlreiche Plätze, von welchen man den Wasserfall betrachten kann. Am besten hat mir die Ansicht von oben gefallen. Man kann bis ganz an die Kante herantreten, wenn man sich traut. Weiter hinten gibt es eine durch das Wasser geschaffene kleine Aushöhlung im Gestein. Bis auf die Schmierereien ist es hier sehr schön. Die zurückzulegende Strecke nach oben ist allerdings ein bisschen anstrengend, obwohl der Weg relativ gut ist. Ausserdem sollte man sich vor Mosquitos schützen und sich nicht so wie ich mit kurzen Hosen und ohne Mückenschutz in die Gefahrenzone begeben. Sonst hat man nach einer Stunde beide Beine übersät mit roten Punkten, die noch vier Tage danach bestialisch jucken.
Der “Cotacachi”
… hat eine Höhe von 4900 m und ist in der ganzen Region zu sehen. Er ist eigentlich ein sie und bildet zusammen mit dem Imbabura „ein Pärchen“, basierend auf der Kultur der Indígena. Sie haben sogar einen Sohn. Der untere Teil wird landwirtschaftlich genutzt, während weiter oben nur noch Gräser, ledrige Pflanzen und vereinzelte Baumgruppen existieren. Weit unterhalb der Spitze gibt es keine für Fahrzeuge zugänglichen Wege. Die existierenden Pfade sind streckenweisse sehr schmal, steil, von Pflanzen überwuchert oder verlieren sich im Nichts.
Das Feuer
Bis jetzt war ich schon zwei Mal auf dem Cotacachi. Das erste Mal ist an einem Wochenende ein grosses Feuer ausgebrochen, das die Leute von Cotacachi und den Gemeinden versuchten zu löschen. Ein Trupp ist in der Nacht hochgefahren und am Morgen um 6:00 Uhr zurückgelaufen gekommen. Ich bin um 4:30 Uhr aufgestanden, weil mir gesagt wurde, dass die nächste Gruppe gegen 5:00 Uhr losfährt. Beginn war aber erst 7:00 Uhr. Wer braucht schon den Nachtschlaf? Ohne Ausrüstung und vollkommen verschlafen fahre ich mit zwei anderen Freiwilligen und 15 Einheimischen Richtung Feuer. Die letzten Kilometer müssen zu Fuss bewältigt werden. Da meine Kondition noch nicht so gut ist, wird jeder Schritt zur Qual. An einem Wald angekommen teilt sich der Weg und mit ihm die Gruppe. Franz und ich wollen erst der einen und dann der anderen Gruppe folgen und am Ende sind wir allein. Dann ist plötzlich gar kein Weg mehr da und wir kämpfen uns durch die Äste und später ausserhalb des Waldes duch einen Meter hohes Gras und Sträucher. Von den anderen fehlt jede Spur und ich hoffe nur noch, dass wir das hier heil und bald überstehen. An Feuerlöschen ist nicht mehr zu denken, zumal das nähere kleine Feuer schon aus und das grosse für uns unerreichbar ist. Bei glühender Mittagssonne retten wie uns nach einem steilen Aufstieg in ein Wäldchen, wo dann pausiert wird. Wir beschliessen umzukehren und laufen einen relativ guten Weg hinab. Bei mAbstieg treffen wir auf zwei Männer, die uns Essen geben. Sie haben es auch aufgegeben und warten hier auf die anderen. Endlich am Pickup angekommen wird Obst gegessen und ein bisschen geschlafen. Das war dann das Ende unserer tollen Rettungsaktion. Fazit: Erreicht haben wir nichts, aber es war eine grossartige Erfahrung, meine Kondition hat sich ungemein verbessert und die Sicht auf das Tal war unglaublich. Meine Kamera habe ich bewusst nicht mitgenommen, weil ich helfen wollte und keinen Ausflug in die Natur geplant hatte.





